Turbolader wechseln - Anleitung, Tipps und Kosten

Leider geh�ren Turbolader zu den Bauteilen eines Autos, die konstruktionsbedingt relativ schnell kaputt gehen k�nnen. (Bild: kfzteile24-Profi-Schrauber @youtube.com)
Inhaltsverzeichnis
Aufgabe des Turboladers
Waren Turbolader einst ein probates Mittel, um aus einem leistungsstarken Motor noch die letzten PS herauszukitzeln, findet man sie heutzutage auch vermehrt in Klein- und Kleinstwagen in Kombination mit 3-Zylinder-Motoren. Dort tragen sie dazu bei, die Effizienz der Aggregate zu erh�hen und damit bei gleichbleibender Leistung den Kraftstoffverbrauch zu senken. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von "Downsizing". Der Turbolader nutzt dabei die noch im Abgas steckende Energie, um den Ladedruck zu erh�hen und dem Motor auf diese Weise mehr Verbrennungsluft zuzuf�hren. Durch den zus�tzlichen Sauerstoff erh�ht sich die Einspritzmenge und die Leistung steigt.
Aufbau des Turboladers?
Bei der Verbrennung des Kraftstoffes in den Zylindern des Motors wird chemische Energie in Licht, W�rme und Bewegungsenergie umgewandelt. Allerdings ist der Wirkungsgrad eines Verbrennungsmotors gering, sodass der �berwiegende Teil ungenutzt �ber den Auspuff entweicht. An dieser Stelle setzt der Turbo an, indem der Abgasstrom ein Turbinenrad des Turboladers antreibt, das verbunden �ber eine Welle das Verdichterrad auf der Ansaugseite bewegt. Das Abgas fungiert also wie der Wind f�r eine Windm�hle. Das Verdichterrad wiederum sorgt daf�r, dass der Ladedruck steigt, wodurch zum einen mehr Luft in die Zylinder gelangt und zum anderen aufgrund des �berdrucks der Kolben nach unten gepresst wird. Im Ansaugtakt geht also weniger Energie f�r den Antrieb verloren.

Der Wechsel eines Turboladers ist nicht gerade g�nstig. In der Regel wird mindestens eine vierstellige Summe f�llig.
Die Sache hat allerdings einen Haken, denn durch die Verdichtung steigt die Temperatur der Ansaugluft, was dazu f�hrt, das die relative Sauerstoffdichte abnimmt. Um diesen Effekt zu vermindern, wird die verdichtete Ladeluft in der Regel noch durch einen Ladeluftk�hler geleitet. Obwohl das Wirkungsprinzip einfach ist, stellt die technische Umsetzung eine Herausforderung dar, denn zum einen braucht der Turbolader eine gewisse Drehzahl, damit sich die Wirkung �berhaupt entfalten kann. Man spricht im unteren Drehzahlbereich daher auch gern vom Turboloch und zum anderen muss sichergestellt werden, dass bei Volllast, die mechanischen Grenzen des Turbos nicht �berschritten werden. Die Welle dreht sich immerhin mit bis zu 320.000 U/min. Bypass-L�sungen, die den Abgasstrom bei hoher Drehzahl teilweise am Turbo vorbeileiten, oder variabel einstellbare Fl�gel des Turbinenrades sind daher notwendig. Die hohen Belastungen und der komplexe, kleinteilige Aufbau f�hren dazu, dass Turbolader vergleichsweise h�ufig kaputt gehen.
M�gliche Defekte und Schadensursachen beim Turbolader
Der h�ufigste Grund f�r den Ausfall eines Turboladers sind Schmiermangelsch�den. Die L�uferwelle zwischen Turbinen- und Verdichterrad l�uft in der Regel auf Gleitlagern, die einen konstanten Schmierfilm ben�tigen und best�ndig gek�hlt werden m�ssen. Kommt es aus irgendeinem Grund zur Unterbrechung der �lzufuhr, steigen die Temperaturen rasant, das Metall dehnt sich aus und die Welle frisst sich fest. Aufgrund des abrupten Anhaltens wird die Mutter, welche das Verdichterrad h�lt mit ihrem Linksgewinde meist abgeworfen. Ein solcher Turbolader ist nat�rlich Schrott und muss ersetzt werden. Beim Wechsel sollte man dann darauf achten, die Mutter im Ansaugtrakt zu finden und zu entfernen, sonst zerst�rt diese das Verdichterrad des neuen Turbolader gleich nach dessen Einbau.
F�r den Turbolader ebenfalls problematisch sind �berzogene �lwechselintervalle, sodass sich �lkohle im Zulauf und im gesamten Turbo bildet. Irgendwann beginnt ein solcher Turbo �l zu verlieren und muss ebenfalls gewechselt werden. Die Ursache f�r einen �lenden Turbo kann aber auch im Abgastrakt liegen, wenn z.B. der Gegendruck zu hoch wird und hei�e Abgase das Lagergeh�use der Welle nicht mehr schnell genug verlassen k�nnen. Das passiert insbesondere im Zusammenhang mit zugesetzten Partikelfiltern, wie sie bei h�ufigen Kurzstreckenfahrten vermehrt auftreten. Einen solchen Turbolader erkennt man neben dem �laustritt auch h�ufig an blauem Rauch am Auspuff, weil das �l an den hei�en Teilen des Turbos verbrennt.

Wellen kleiner Turbolader k�nnen bis zu 320.000 Rotationen in der Minute vollf�hren. Im Rennsport und f�r sportliches Tuning werden sie auf Rollen gelagert. In der Regel arbeiten Turbolader aber mit Gleitlagern.
�lkohle beeintr�chtigt aber noch auf andere Weise die Lebensdauer des Turboladers, denn sie wirkt wie Sandpapier und schleift an den Lagerstellen. Das Lagerspiel wird mit der Zeit zu gro�, sodass Turbinen- oder Verdichterrad an ihr Geh�use schlagen k�nnen. Die Folge ist ein Totalschaden des Turboladers. Schlie�lich k�nnen Turbolader auch Hitzesch�den erleiden, insbesondere dann, wenn durch unsachgem��es Chip-Tuning die Verbrennungstemperaturen im Motor steigen. Nat�rlich k�nnen auch defekte Einspritzd�sen zu einem solchen Schadensbild f�hren. Das Lagergeh�use des Turbos bekommt dann mit der Zeit Risse und st�rende Pfeifger�usche sind zu vernehmen. Der Turbolader baut zwar noch Ladedruck auf, aber wer das st�rende Pfeifen loswerden m�chte, kommt um den Wechsel des Turbos nicht herum.
Tipps zum Umgang mit Turboladern
Insbesondere kostenbewusste Kleinwagenfahrer sollten sich Gedanken �ber den Turbolader machen und drei einfache Hinweise befolgen. Erstens gilt wie bei vielen anderen Autoteilen, dass h�ufige Kurzstreckenfahrten die Lebensdauer mindern. Der Partikelfilter setzt sich zu, der Abgasgegendruck steigt und der Turbolader beginnt zu �len und �lkohle zu bilden. Versuchen Sie daher auch mal l�ngere Fahrten am besten auf der Autobahn in Ihren Alltag einzubauen. Halten Sie zweitens die Wechselintervalle des �ls ein und �berzeugen Sie sich, dass auch der �lfilter stets getauscht wird. Und Drittens: Vermeiden Sie es, das Auto nach einer l�ngerer Fahrt unter Volllast einfach abzustellen, sondern lassen Sie den Motor noch 20-30 Sekunden laufen. Dadurch bleibt die �lpumpe aktiv und es kommt nicht zum Hitzestau im Lagergeh�use des Turboladers.
Wie wird der Turbolader gewechselt?
Der Wechsel eines Turboladers geh�rt leider zu den aufwendigsten Arbeiten einer Werkstatt, denn er liegt h�ufig ung�nstig und kann schlecht eingesehen und erreicht werden. Zudem wird er mittlerweile auch h�ufig in den K�hlwasserkreislauf integriert, sodass nicht nur das �l abgelassen werden muss, sondern auch das K�hlmittel. Die einzelnen Schritte h�ngen vom Fahrzeug und der Einbaulage des Motors ab, doch bei jedem Turboladerwechsel gilt es, auch die �lzulauf- und die �lablaufleitungen zu ersetzen. Zudem sollte man insbesondere bei vorangegangenem Schmiermangelschaden sicherstellen, dass sich im Ansaugtrakt keine Fremdstoffe wie z.B. die abgeworfene Wellenmutter befindet. Zudem muss man beachten, dass der neue Turbolader mit einem meist beiliegenden Erstbef�llungsadditiv gef�llt wird, um die ausreichende Schmierung beim Anlassen sicherzustellen. Zudem sollte die Einspritzanlage lahm gelegt werden, damit es beim ersten Starten nicht Aussto� von Abgasen kommt. Ein Turbolader dreht n�mlich schon im Leerlauf ca. 12.000 - 15.000 U/min und die ca. 15-20 Sekunden, die er nach dem Einbau trocken laufen w�rde, reichen aus, um auch den neuen Turbo bereits zu sch�digen. Daher: Einspritzanlage abklemmen und in 4-5 Intervallen den Anlasser bet�tigen! So stellen Sie sicher,, dass das �l den Turbo auch erreicht hat.
Was kostet der Wechsel eines Turboladers?
Zuerst die schlechte Nachricht: Beim Wechsel eines Turboladers m�ssen Sie mit Kosten zwischen 1.500 und 3.000 Euro rechnen. Nun die gute Nachricht: Den Turbo selbst kann man vorher g�nstig im Internet kaufen. Wir bieten Ihnen entsprechende Online-Preise und nat�rlich hochwertige Qualit�tsware von Markenherstellern. F�r den Tausch sollten Sie aber unbedingt eine Fachwerkstatt aufsuchen und im Vorfeld Angebote vergleichen. Der hohe Arbeitsaufwand rechtfertigt intensive Recherche, denn die Stundenpreise k�nnen auch innerhalb einer Region deutlich variieren. Vom Wechsel in Eigenregie raten wir ab, wenn Sie keinen entsprechenden Kfz-Hintergrund mitbringen. Zu hoch ist das Risiko, durch einen kleinen Fehler auch den neuen Turbolader zu besch�digen.